Cyber-Mobbing: Forscher beleuchten die Beobachter


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Forscher der Technischen Universität Berlin haben sich im viel diskutierten Thema Cyber-Mobbing den bisher kaum beachteten Nutzern zugewandt: Jenen, die nicht Täter oder Opfer sind, sondern entsprechende Vorfälle als Unbeteiligte mitbekommen. Dabei zeigten sich sehr unterschiedliche Reaktionen.

Wie die Forscher vom Fachgebiet Pädagogische Psychologie mitteilten, sei die Betrachtung dieser Gruppe durchaus wichtig. Denn viele Attacken im Internet seien erst dann richtig verletzend, wenn es dafür ein Publikum gibt. Die so genannten "Bystander" fanden die Vorfälle Mal lustig, mal versuchten sie ihren Freunden gegen Online-Attacken zu helfen.

Häufig aber verhielten sie sich passiv und warteten erst einmal ab. Doch dieses Verhalten sei nicht unbedingt auf Desinteresse zurückzuführen – oft wiesen die Jugendlichen darauf hin, dass sie sich selbst hilflos und unsicher fühlten und nicht wussten, an wen sie sich wenden können.

Teils spielte auch die Befürchtung eine Rolle, selbst zum Opfer des nächsten Angriffs zu werden. Manche dieser Vorfälle ignorierten sie aber auch ganz bewusst, weil sie dem Täter nicht auch noch Aufmerksamkeit schenken wollten. "Nicht jedes Schweigen ist auch eine Zustimmung", beurteilte der Leiter der Studie, Jan Pfetsch, diese Haltung.

Greifen die Jugendlichen hingegen aktiv gegen Cyber-Mobbing ein, so wählen sie viele verschiedene Wege. Besonders ihren Freunden bieten die Jugendlichen Trost und Unterstützung an: Hass-Gruppen werden beim Internetbetreiber gemeldet, die Jugendlichen suchen nach der Identität der Täter. Falls diese bekannt sind, werden die Täter übers Internet oder im realen Leben von ihnen direkt aufgefordert, das Cyber-Mobbing zu unterlassen.

Die Bystander seien dabei oft durch das Mitgefühl mit dem Opfer motiviert und setzen sich deshalb aktiv gegen Cyber-Mobbing zur Wehr. Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Bystander eine wichtige Funktion für den Verlauf eines Falls von Cyber-Mobbing haben. Jugendliche können sich entscheiden – wollen sie ein Teil der Lösung oder ein Teil des Problems von Cyber-Mobbing werden.

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