Schokolade statt Psychologie

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25. Juni 2013

LEUTE IN DER STADT:Der Unternehmer Alfred T. Ritter wurde zum Ehrensensator der Uni ernannt.


  1. Alfred T. Ritter Foto: Ingo Schneider

1972 hatte er sich schon einmal beworben an der Uni Freiburg – für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Damals hatte sie ihn nicht haben wollen wegen seiner, wie er einräumt, schlechten Abiturnoten. "Jetzt bin ich nach 41 Jahren doch noch aufgenommen worden", freut sich Alfred T. Ritter. Und das mit höchsten Ehren: Der Unternehmer aus dem schwäbischen Waldenbuch ist zum Ehrensenator ernannt worden.

Dass sich der Sohn von Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer ausnahmsweise mal interessierte für die Auszeichnungen, die sein Vater zu vergeben hat, liegt an den Produkten, die Ritter herstellt: "Quadratisch, praktisch, gut" klingt jedem im Ohr, wenn er an die Schokoladentafeln im handlichen Format denkt. "Ein charmantes Produkt", sagt der 60-Jährige und räumt seine ungebrochene Lust auf Schokolade ein. Aber sie ist nicht der Grund, weshalb sich die Universität mit ihm so außerordentlich verbunden fühlt: "Ich habe das Zentrum für Erneuerbare Energien etwas gesponsert", lässt er mit demonstrativem Understatement verlauten. Mit welchen Summen, mag er nicht weiter ausführen.

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Die Verbindung von Schokolade zu Erneuerbaren Energien lässt sich nicht ohne weiteres erschließen. In seinem Leben war sie folgerichtig: Auslöser für sein Engagement war der Atom-GAU von Tschernobyl 1986, der auch die Haselnüsse für seine Schokolade verstrahlt hatte. Ein überzeugter Atomkraftgegner war damit geboren und ein erfolgreicher Hersteller regenerativer Energiesysteme. Ritter ist an mehreren Firmen beteiligt, etwa an der Paradigma-Unternehmensgruppe.

Das 2000 gegründete Tochterunternehmen Ritter Solar in Dettenhausen bei Tübingen gilt heute als größter deutscher Hersteller von Vakuumröhrenkollektoren. Eine Reihe von Preisen krönen das Umweltengagement des "Öko-Managers des Jahres 1997": Prognos-Zukunftspreis, Bundesverdienstkreuz, Sonderpreis des Deutschen Solarpreises, europäisch-chinesischer Nachhaltigkeitspreis. Da blieb es nicht aus, dass auch die Fäden in die "Green City" Freiburg gesponnen wurden: Nicht nur den verstorbenen Solarenergiepionier Georg Salvamoser und seine Solarfabrik unterstützte er. Mit seiner Schwester Marli Hoppe-Ritter war er Bauträger von Rolf Dischs Freiburger Solarsiedlung.

Quadratisch, praktisch, gut: Ganz so eindimensional kommt Alfred Ritter selbst nicht daher. Mit seiner schwarzen Mähne, roten Fliege und John-Lennon-Brille verkörpert er auch rein äußerlich den Typ des unkonventionellen Unternehmers. "Davon gibt es viel mehr, als man gemeinhin annimmt. Sie sind schließlich Unternehmer geworden, weil sie sich nicht einordnen konnten." Das Einordnen hat der "Ritter der Haselnuss", wie er heute gerne genannt wird, zunächst versucht und in Heidelberg doch noch einen Studienplatz für Wirtschaftswissenschaften ergattert. Schließlich hatte in dem Unternehmerhaushalt die Firma immer als weiteres Familienmitglied mit am Tisch gesessen.

Aber nach vier Semestern hat er aufgegeben. Er wollte "seine Zeit nicht länger verschwenden" und sattelte um auf Psychologie, betrieb einige Jahre sogar eine psychotherapeutische Praxis in Heidelberg. Dann zog es den Enkel des Firmengründers doch zurück in das Familienunternehmen, das er zusammen mit seiner Schwester führt. Der Vater war 1974 mit erst 59 Jahren plötzlich gestorben. Dabei kommt ihm sein Psychologiestudium nach eigenen Aussagen mehr zugute als seine wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse.

Der Sympathie seiner Schwester für die Sandinisten verdankt sich die Zusammenarbeit mit einer Kleinbauern-Kooperative in Nicaragua, die den Kakao für die seit 2008 vertriebene Bio-Schokolade liefert. Sie kam bei den Konsumenten nicht so gut an. Stattdessen läuft nun ein neues Projekt an, bei dem die Forstwissenschaftler der Uni dem Unternehmer beratend zur Seite stehen: Kakaoplantagen und Aufforstungsflächen – "nicht auf Bioniveau, aber nach den Grundsätzen der integrierten Landwirtschaft".

Drei erwachsene Kinder hat Alfred T. Ritter mit seiner portugiesischen Frau Rosario, ehemalige Leiterin der Pressestelle bei der EZB (Europäische Zentralbank). Es ist davon auszugehen, dass diese die Familientradition fortsetzen. "Renaissance" hat er die Gesellschaft genannt, die er mit ihnen zusammen gegründet hat und in der alle seine Firmen versammelt sind.

Autor: Anita Rüffer

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