Nach einem Konflikt pfeifen Verbündete auf die Solidarität

16-11-12
Nach einem Konflikt pfeifen Verbündete auf die Solidarität

Ökonomen vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen haben jetzt anhand spieltheoretischer Experimente gezeigt, dass die Solidarität unter einst Verbündeten rapide schwindet, sobald es keinen gemeinsamen Gegner mehr zu bekämpfen gilt. Geht es nach dem Ende eines Konfliktes darum, eine Beute aufzuteilen, bekämpfen sich ehemalige Gefährten sogar noch heftiger, als es Fremde tun würden. Bereits während des Konflikts bringen Allianzmitglieder gemeinsam nur halb so viel Einsatz wie ihr Gegner. Wenn sie mit einem späteren Verteilungskonflikt rechnen müssen, fahren sie ihr Engagement sogar noch weiter zurück.

© Nikolai Sorokin - Fotolia.com

In Allianzen zu kämpfen kann Vorteile haben. Psychologen raten davon ab, einer Gruppe als Einzelkämpfer entgegenzutreten. Im Team dagegen gibt die Interaktion in der Gemeinschaft Rückhalt, und ein gemeinsames Feindbild stärkt die Solidarität innerhalb der Gruppe. Die ökonomische Konfliktforschung hat herausgefunden, dass Allianzen aber auch unter Problemen des kollektiven Handelns leiden, zum Beispiel unter dem so genannten Trittbrettfahrerproblem: Weil sie vom Einsatz ihrer Mitstreiter profitieren können, nehmen die einzelnen Mitglieder ihr Engagement während des Konflikts zurück. Zusätzlich führt das Wissen um einen späteren Verteilungskonflikt beim Aufteilen der Beute dazu, dass die Mitglieder der Allianz den Sieg über den Gegner geringer schätzen.

Dass Allianzen schnell zerbrechen können, wenn der Gegner besiegt ist, hat die Geschichte schon oft gezeigt: Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Sieg über Hitler-Deutschland bahnte sich zwischen den ehemals verbündeten Supermächten USA und der Sowjetunion schnell der nächste Konflikt an: der Kalte Krieg. Aber auch in Wirtschaftsunternehmen, etwa wenn es um eine Beförderung geht, oder bei Wettkämpfen im Sport, können aus loyalen Team-Kollegen schnell erbitterte Feinde werden.

Changxia Ke, Kai A. Konrad und Florian Morath vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen haben in ihrer experimentellen Studie danach gefragt, ob Verbündete, die mit einem späteren Verteilungskonflikt rechnen, sich weniger engagieren als jene, für die im Vorhinein klar ist, wie die Beute geteilt wird. Weiterhin wollten sie wissen, ob die Solidarität zwischen Bündnispartnern, die im Wettbewerb mit einem Außenstehenden zu beobachten ist, noch Bestand hat, wenn der Gegner besiegt ist. Wie beeinflusst das Schulter-an-Schulter Kämpfen die Bereitschaft, bei einem Verteilungskonflikt gegeneinander anzutreten?

Wer um einen späteren Konflikt weiß, leistet weniger für die Gemeinschaft

In Laborexperimenten stellten die Wissenschaftler daher zunächst den Wettbewerb zwischen einer Allianz aus zwei Spielern und einem Einzelspieler nach. Dabei verglichen sie das Engagement der Spieler, die sich nach dem Wettbewerb mit einem Verteilungskonflikt konfrontiert sahen, mit dem Engagement jener Teilnehmer, für die klar war, wie sie die Beute aufteilen würden. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass kollektives Handeln generell ein Problem für Allianzen darstellt: Selbst wenn feststand, dass die Beute später friedlich geteilt wird, investierten die Allianzmitglieder insgesamt nur halb so viel wie die Einzelspieler. Wenn sie wussten, dass es später zu einem Verteilungskonflikt kommen würde, engagierten sie sich sogar noch weniger. In diesem Fall schätzten die Mitglieder einer Allianz den Wert einer Beute geringer ein und trugen in Folge auch weniger zum Gesamtergebnis bei.

Wenn es um die Beute geht, wird der Freund schnell zum Feind

In einem weiteren Experiment untersuchten die Ökonomen Verteilungskonflikte und verglichen den Aufwand, den zwei ehemalige Mitglieder einer Allianz betreiben, mit dem Einsatz zweier neutraler Spieler ohne gemeinsame Vergangenheit, die sich in einem Zweikampf gegenüberstanden. Sie fanden heraus, dass sich die Solidarität zwischen den Mitgliedern einer Allianz schnell auflöst, wenn der Feind erst mal besiegt ist. Ehemals Verbündete sind nicht willens, weniger miteinander zu kämpfen als Fremde. Im Gegenteil: Frühere Allianzmitglieder zeigen sich beim Aufteilen der gemeinsamen Beute sogar noch erbitterter als Fremde, die um einen vergleichbaren Preis wetteifern.

Generell bietet es sich also für Allianzen an, im Vorfeld eines Konflikts genau festzulegen, wie der Preis oder die Beute später aufgeteilt werden soll. Dann engagieren sich nicht nur die einzelnen Mitglieder im Konflikt mit dem externen Gegner stärker. So lässt sich auch vermeiden, dass aus ehemals Verbündeten erbitterte Feinde werden.

idw-online.de/de/news506534

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