Hannover: Therapieprojekt für pädophile Männer

Mit einem neuen Therapieprojekt für Pädophile will die Medizinische Hochschule Hannover dem sexuellen Missbrauch von Kindern vorbeugen. Männer, die auf Kinder gerichtete sexuelle Impulse spüren, aber keine Straftaten begehen wollen, können sich kostenlos betreuen lassen, teilte die Hochschule mit. Die behandelnden Ärzte für Psychologie und Sexualmedizin könnten die sexuelle Neigung der Patienten zuverlässig beurteilen und deren Risiko einschätzen. Das niedersächsische Sozialministerium unterstützt das Projekt "Dunkelfeld" zunächst für drei Jahre mit insgesamt 360.000 Euro.

Die Hochschule schließt sich damit einem bereits etablierten Pilotprojekt der Berliner Charité an, das inzwischen auch in anderen Städten, wie Kiel, Leipzig und Regensburg angeboten wird. 15 Prozent der außerhalb von Berlin und Brandenburg lebenden Patienten, die an der Charité Hilfe für ihre Neigungen gesucht hätten, stammten aus Niedersachsen und Bremen, sagte Professor Uwe Hartmann. Weil weite Anfahrtswege oft zum Abbruch der Therapie führten, sei es wichtig, wohnortnahe Hilfe anzubieten, um mögliche Opfer zu schützen.

Wer sich behandeln lassen will, muss nach Angaben der Hochschule über ein Problembewusstsein im Blick auf seine pädophile Neigung verfügen und von sich aus, ohne gerichtlichen Druck, zur Therapie bereit sein. Im Gegenzug sichert die Hochschule eine Schweigepflicht zu. Die Therapie verbindet verhaltenstherapeutische und sexualmedizinische Ansätze. Sie kann auch durch Medikamente unterstützt werden.

Mit einer Medienkampagne unter dem Motto "Damit aus Fantasien keine Taten werden!" machen die Initiatoren auf das Projekt aufmerksam. Die Botschaft lautet: "Du bist nicht schuld an Deinen sexuellen Gefühlen, aber Du bist verantwortlich für Dein sexuelles Verhalten! Es gibt Hilfe! Werde kein Täter!" Das 2005 gegründete Projekt wird auch von der Kinderschutz-Stiftung "Hänsel und Gretel" und der Volkswagen-Stiftung gefördert.

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